Jopt-Portrait

Willkommen auf der Webseite von Prof. Dr. Uwe Jopt. Hier dreht sich alles um Kinder, die entweder von Trennung und Scheidung der Eltern betroffen oder aus unterschiedlichsten Gründen gezwungen sind, außerhalb ihrer Ursprungsfamilie leben zu müssen. Beide Problemlagen werden von Familiengerichten bearbeitet, d. h., dass nach juristischen Lösungen gesucht wird. Tatsächlich handelt es sich zugleich jedoch immer auch um psychologische Problematiken. Wie lassen sich Kind-Eltern-Beziehungen unter veränderten familialen Lebensbedingungen so gestalten, dass Kinder möglichst wenig Schaden nehmen? Tragfähige und dem Wohl des Kindes dienliche Regelungen verlangen eine enge Zusammenarbeit zwischen Juristen und Kinderkundlern. Das Kindschaftsrechtsreformgesetz von 1998 ist ein großer Schritt in diese Richtung. Die Kooperation zwischen den im Familienrecht vertretenen Professionen muss jedoch noch deutlich verbessert werden.

 

Dies gilt auch für Psychologische Sachverständige. Um der Zielsetzung des KindRG zu genügen, ist hier ein Paradigmenwechsel erforderlich, indem das traditionelle entscheidungsorientierte Vorgehen durch psychologische Techniken und Methoden ausgetauscht wird, die allesamt darauf abzielen, den trennungsbedingten Elternkonflikt im Interesse des Kindes einzudämmen. Das ist der Grundgedanke der Lösungsorientierten Begutachtung, deren Anfänge sich bis in die 80er-Jahre zurückverfolgen lassen und die heute im familiengerichtlichen Alltag zunehmend an Bedeutung gewinnt. Aber auch die Rollen der anderen Verfahrensbeteiligten sind im Hinblick auf das neue Ziel Streitabbau verbesserungsbedürftig.

 

Dass Elternstreit die mit Abstand größte Belastung für Kinder darstellt, gilt heute als Binsenweisheit. Doch was das für Konsequenzen nach sich ziehen kann, darüber wissen wir längst nicht genug. Das betrifft vor allem die Frage des Umgangs, dem juristischen Namen für die Ausgestaltung von Liebesbeziehungen zwischen Kindern und Eltern. Umgangsstörungen, bis hin zur Umgangsverweigerung durch das Kind selbst, sind zu einem zentralen Problem der Familiengerichte geworden. Im konkreten Fall herrscht nicht selten große Ratlosigkeit, wie man damit umgehen soll. Eine Lücke, die sich durch Etiketten wie „Instrumentalisierung“ oder „Beeinflussung“ nur notdürftig verschleiert lässt. Viele Gerichtsurteile zur Umgangsregelung lesen sich mit ihren auf den ersten Blick klaren Analysen und Handlungsanweisungen häufig zwar wie – leicht umsetzbare – Kochrezepte; die Praxis zeigt jedoch, dass ihre Umsetzung im Lebensalltag häufig nur wenig mit der logischen Einfachheit solcher Beschlüsse zu tun hat.

 

Nirgendwo sonst werden die Schwierigkeiten familiengerichtlicher Hilfen für Trennungskinder sichtbarer, als auf dem Feld des „Umgangs mit dem Umgang“. Wenn es nicht bald gelingt, das komplexe Geflecht einer Vielzahl von Ursachen für Umgangsstörungen besser zu verstehen, wird dies bald gravierende psychosoziale und ethische Probleme für nachfolgende Generationen nach sich ziehen. Kinder, die gezwungen sind, sich auf Beziehungsabbrüche gegenüber Personen einzulassen, die vor der Trennung als Mutter oder Vater exklusive, d. h. nicht austauschbare Bindungspartner für sie waren, können auf Dauer unmöglich in der Lage sein, ihren eigenen Kindern später den emotionalen Wert von Eltern zu vermitteln. Insofern spiegeln kindliche Beziehungsabbrecher das Ticken einer sozialen Zeitbombe, deren Explosion sich nur verhindern lassen wird, wenn es rechtzeitig gelingt, die „richtigen“ Interventionen zu entwickeln.  

 

Diese Webseite will auf unterschiedliche Weise zur Lösungsfindung beitragen.